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Die schwierigste Figur beim Schachspiel ist der Gegner.
-- Werner Mitsch, deutscher Aphoristiker
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Verbreitungsweg / Eigenschaften, Schutz und Entfernung
Einleitung
Immer wieder ist es zu beobachten: Internetnutzer
haben einen neuen Computer erworben, oder das
Betriebssystem - Windows 2000 oder XP - wurde
neu aufgesetzt. Unmittelbar danach stellt der
Nutzer eine Verbindung zum Internet her. Kaum
online, macht sich zusehens eine drastische
Verlangsamung der Systemabläufe und der Internetverbindung
bemerkbar, undefinierte Prozesse tauchen auf,
der Taskmanager sowie der Registrierungseditor
und ggf. installierte Antiviren-Programme werden
geschlossen oder lassen sich erst gar nicht
starten, in etlichen Fällen wird die Anzeige
von Webseiten vieler AntiViren-Labs unterbunden.
Was ist passiert?
Einigen Lesern sind "Blaster" oder "Sasser"
sicher ein Begriff. Die Schädlingsnamen gingen
durch die Presse, als sich diese Netzwerkwürmer
explosionsartig im Internet verbreiteten und
dabei grosses Aufsehen erregten, da weltweit
etliche Windows-Systeme abstürzten und ein normales
Arbeiten unmöglich wurde.
Auch heute noch sind solche Würmer stark verbreitet.
Sie führen zwar nicht mehr zu einer so grossen
Medienresonanz wie Sasser und Blaster, sind
aber viel gefährlicher und
fallen zudem weniger durch abstürzende Systeme
auf. Doch wie genau verbreiten sie sich, wie
erkennt man sie, und wie kann man sich am besten
vor ihnen schützen? Antworten auf diese Fragen
sollen die folgenden Erläuterungen geben.
A.) Der Verbreitungsweg / Grundlagen
Netzwerkwürmer sind nicht vergleichbar mit den
vielleicht bekannteren Mailwürmern, die sich
massenhaft an E-Mail-Adressen weiterversenden,
weil PC-Besitzer zuvor unüberlegt einen Dateianhang
aus einer E-Mail ausführten oder ihr E-Mail-Programm
falsch konfiguriert haben.
Es ist nicht nötig, dass man den Browser startet
und im Internet surft, das Mailprogramm aufruft,
um Mails zu empfangen und zu versenden oder
den Instant Messenger nutzt, um zu chatten.
Denn Netzwerkwürmer vermögen bereits auf (unzureichend
gesicherte) Windows-Systeme zu gelangen, sobald
auch nur eine Internetverbindung hergestellt
wurde: Wenige Sekunden bzw. einige Minuten können
schon ausreichen.
Um die Problematik zu verstehen, sollte man
sich zunächst das folgende Grundlegende zu Gemüte
führen:
Damit eine Nutzung des Internets möglich wird,
muss eine Übertragung von Daten erfolgen - Daten
müssen verschickt und empfangen werden können,
genau wie auch Päckchen und Pakete, die man
mit der Post versendet und empfängt, oder wie
bei einem Boten, der eine Nachricht von A nach
B, sowie darauf erfolgende Antworten wieder
zurück nach A bringt.
Was muss der Bote wissen, damit er die Nachrichten
zuverlässig hin- und zurück transportieren kann?
a) Zunächst einmal muss der
Bote den Auftrag erhalten, eine Botschaft zu
transportieren. Dieser Auftrag wird ihm z.B.
vom Browser erteilt. Der Browser möchte eine
bestimmte Internetseite anzeigen, z.B. www.tagesschau.de.
Also teilt das Betriebssystem, in diesem Falle
Windows, der Anfrage ein Bearbeitungs-"Fenster"
(=Port) zu. Von diesen Ports gibt es viele,
über 60.000. Sagen wir, der Anfrage des Browsers
wird der Port mit der Nummer 2069 zugeteilt.
Somit weiss der Bote, dass er, wenn er später
zurückkehrt, die Antwort auf die Anfrage wieder
bei Port 2069 abliefern muss, denn dort wird
ja fortan auf die Antwort gewartet.
b) Der Port allein reicht jedoch
nicht als Absenderinformation, denn wie auch
im realen Leben braucht der Bote eine Hausanschrift,
also den Wohnort mit Strasse und Hausnummer.
Würden Sie z.B. einem Fahrradkurier den Auftrag
erteilen, etwas abzuholen und die Sendung bei
Ihnen im "Dritten Stock, mittelere Wohnung"
abzuliefern, wüsste er noch lange nicht, wohin
er sie bringen müsste. Denn es gibt ja viele
Häuser mit einem dritten Stockwerk. Er muss
daher auch die Strasse und Hausnummer wissen,
um die entsprechende Wohnung finden zu können.
Diese Anschrift mit Ort, Strasse und Hausnummer
ist im Internet vergleichbar mit der sogenannten
IP-Adresse - es ist die Anschrift Ihres
Computers im Internet. Diese IP-Adresse
wird Ihrem PC, wenn Sie sich über Ihren Internetprovider
einwählen, automatisch zugeteilt. Als Beispiel
nehmen wir die IP-Adresse 84.245.173.222.
Zwischenfazit: Der Bote kennt
nun den Port, wo er später die Antwort abliefern
muss sowie die IP-Adresse, also die (Absender)-Anschrift
Ihres Computers im Internet. Jetzt muss er noch
wissen, wohin die Anfrage gesendet werden soll:
c) Gleichzeitig mit den Absender-Informationen
wird dem Boten das Ziel mitgeteilt, in diesem
Fall www.tagesschau.de. "www.tagesschau.de"
ist dabei aber nur eine vereinfachte Darstellung.
Denn wie wir bereits wissen, werden Adressen
im Internet anhand von IP-Adressen dargestellt.
Für tagesschau.de ist dies (derzeit) die 193.97.251.27.
Sie ist nur für den Normalanwender nicht sichtbar,
da diese Zahlenadressen in aus Buchstaben bestehende
Namen übersetzt werden.
d) Und natürlich bekommt der
Bote die Adresse des Ports mitgeteilt, an dem
er die Anfrage abliefern muss. Hinter dieser
Adresse gibt es, wie bei Ihrem Computer zu Hause,
ebenfalls Ports, nur mit dem ersten wichtigen
Unterschied: Bestimmte Fenster, also Ports,
sind hier ständig offen. Für Anfragen zur Anzeige
gewünschter (unverschlüsselter) Webseiten ist
dies immer Port 80.
Es wird also von demjenigen, der die Webseite
anbietet, auf dem entfernten Computer im Internet
ein Dienst eingerichtet, der ständig zum Empfang
vom Anfragen bereit ist und dazu standardmässig
Port 80 offenhält. Dies bezeichnet man grob
gesagt auch als Webserver. Ihr Computer zu Hause
ist dabei das Gegenstück, in diesem Zusammenhang
auch "Client" genannt, der, um es mit der Übersetzung
des Begriffes aus dem Englischen zu sagen, der
"Auftraggeber" oder "Kunde" ist. Der Webserver
im Internet hingegen geht auf die Anfragen des
Kunden ein und liefert über den bereitgestellten
Dienst die angeforderten Daten (Anzeige der
Webseite) zurück.
Zweites Zwischenfazit:
Nachdem vom PC des Internetnutzers (Client genannt),
der eine Webseite aufrufen möchte, inklusive
Absenderangabe eine Anforderung an den Webserver
geschickt wurde, sendet der Webserver nun die
angefgorderten Daten an die Absenderadresse
zurück.
An dieser Stelle kommen wir zu einem entscheidenden
Punkt:
Der Webserver im Internet hält durch den zur
Verfügung gestellten Dienst ständig einen Port
offen (Port 80). Ein aktiver Dienst öffnet also
einen Port.
Wohingegen Ihr PC zu Hause, der Client, seinen
Port, über den er die Anfrage an den Server
stellte, nicht ständig offenhält. Er stellte
nur eine Anfrage, weshalb nun an diesem einen
Port auf die eine spezielle Antwort des Webservers
gewartet wird. Der Port gilt somit nicht als
"offen".
Ihr PC zu Hause ist also in der Regel stets
der Client und kein (Web)Server, denn Sie wollen
ja keine Dienste anbieten, sie wollen auf Ihrem
PC keine Webseite abspeichern, die andere Leute
dann aufrufen können. Sie möchten sich lediglich
selbst Webseiten von anderen Menschen anschauen,
sie möchten über E-Mails oder Chats kommunizieren.
Leider jedoch bietet Windows (NT, 2000, XP)
standardmässig sogenannte Netzwerkdienste an,
welche ihrerseits Ports öffnen. Diese Netzwerkdienste
sollen es u.a. für Heimanwender erleichtern,
hausintern kleine Netzwerke z.B. zwischen den
PC's von Familienmitgliedern einzurichten. Das
kann z.B. zum Zwecke des vereinfachten Datenaustausches
untereinander geschehen, oder aber zur Verbindung
von Arbeits-PC und Notebook. Ebenso kann es
erfolgen, weil man mit mehreren PC's einen vorhandenen
Internetzugang nutzen möchte.
Microsoft beging allerdings bei der Konzeption
dieser Netzwerkdienste einen prinzipiellen Fehler:
Sie sind standardmässig nicht nur intern verfügbar,
sie werden auch in Richtung Internet angeboten!
Das ist völlig unsinnig, denn Sie wollen diese
Dienste ja eigentlich gar nicht für das Internet
verfügbar machen. Selbst wenn Sie kein
hausinternes Netzwerk nutzen, sind diese Dienste
aktiv und öffnen Ports, die sofort nach Einwahl
auch über das Internet ansprechbar sind.
Über den geöffneten Port ist nun der Dienst
ansprechbar, der seinerseits den Port zuvor
geöffnet hatte. Ein Dienst ist nichts anderes
als eine bestimmte Software. Software entält,
da sie von Menschenhand programmiert wurde,
Fehler. Diese Fehler reissen nicht selten Sicherheitslücken
in die Software. Ist ein Dienst mit einer bekannten
Sicherheitslücke über einen geöffneten Port
ansprechbar, so kann diese Sicherheitslücke
von Schädlingen ausgenutzt werden, um auf das
verwundbare System zu gelangen.
Und genau auf diese Weise verbreiten sich die
Netzwerkwürmer:
Sie wurden so programmiert, dass sie einfach
bestimmte Bereiche von IP-Adressen nacheinander
systematisch prüfen, ob hinter ihnen Computer
mit dem Internet verbunden sind, auf denen die
verwundbaren Dienste laufen. Finden sie so einen
Computer, wird eine Routine zur Ausnutzung der
Sicherheitslücke - (ein sogenannter Exploit)
- gestartet und der Wurm auf Ihrem PC installiert.
Kaum aktiv, sucht der Wurm nun ausgehend von
Ihrem PC nach weiteren verwundbaren Computern
im Internet. Auf diese Weise findet eine ständige,
schnelle Verbreitung dieser Netzwerkwürmer statt.
B.) Wie kann ich mich nun schützen?
1.) Das ist ganz logisch erklärbar
und auch gar nicht so schwer umsetzbar. Einerseits
nutzen diese Würmer bekannte Sicherheitslücken
aus. Diese Lücken sind jedoch inzwischen von
Microsoft behoben worden, alleridngs nur in
neuen Versionen der betroffenen Software. Mit
anderen Worten: Sie müssen Ihre Software, in
diesem Fall Ihr Betriebssywstem Windows,
aktualisieren. Sogenannte "Patches", also
Software-Flicken, stopfen die Sicherheitslücken,
indem alte, verwundbare Dateien durch neue Dateien
ersetzt werden, die die erkannten Fehler nicht
mehr aufweisen.
Kurz: Erkannte Lücken stets durch Aktuellhalten
des Betriebssystems stopfen!
2.) Andererseits wird die Verbreitung
der Schädlinge ja auch dadurch möglich, dass
unnötiger und unsinniger Weise standardmässig
Windows Netzwerkdienste in Richtung Internet
angeboten werden, Dienste, die der Normalanwender
mit Einzeplatz-PC gar nicht benötigt.
Wie oben bereits erwähnt, enthält jede Software
Fehler. Daraus folgt, dass durch jede unnötig
laufende Software und somit auch durch unnötoig
laufende Dienste die Fehleranfälligkeit in der
Summe erhöht wird. Somit steigt, wenn diese
Software in Richtung Internet angeboten wird,
auch die von aussen erreichbare Angriffsfläche.
Es wäre also logisch, um die Angriffsfläche
zu verkleinern, auch nur die Dienste anzubieten,
die man wirklich benötigt, und alle anderen
abzuschalten. Denn selbst, wenn diese abgeschalteten
Dienste Fehler enthalten, können diese Fehler
nicht ausgenutzt werden, da der Dienst ja nicht
erreichbar ist.
Kurz: Nur die Dienste nutzen, die Sie
benötigen, alle anderen abschalten, um die Angriffsfläche
zu verkleinern. Wie das geht, sehen Sie
hier sehr
schön erläutert.
Wichtig ist, dass die beiden
Punkte 1.) und 2.) miteinander kombiniert werden,
also ein stets aktuelles System verbunden mit
dem Abschalten nicht benötigter Dienste.
Entscheidend ist, dass diese
Umsetzung bereits vor der ersten Internetverbindung
erfolgt ist, da Sie anderenfalls mit einem löcherigen
System ins Internet gehen würden. Die Folge
wäre eine schnelle Infektion mit Netzwerkwürmern,
die übrigens Backdoorfähigkeiten aufweisen.
Damit wird Ihr System ein mögliches und wahrscheinliches
Werkzeug für kriminelle Aktionen.
C.) Entfernung:
Wurde Ihr System mit so einem Schädling infiziert,
gehen Sie bitte wie folgt vor:
-
Trennen Sie umgehend physikalisch
die Internet- bzw. Netzwerkverbidnung(en).
"Physikalisch" heisst, z.B. durch Ziehen
des Verbindungskabels.
-
Fahren Sie das System herunter
und starten nicht wieder hoch.
-
Besorgen Sie sich eine Notfall-Start-CD,
z.B. eine Live-CD wie Knoppix oder Kanotix.
-
Überprüfen Sie, ob im BIOS
das Booten von CD aktiviert ist. Falls nicht,
aktivieren Sie es und stellen es in der
Bootreihenfolge vor den Start von "HDD"
(also vor das Booten von einer Festplatte).
-
Booten Sie von CD und sichern
Sie auf diesem Wege wichtige Daten, die
Sie zukünftig noch benötigen. Aber bitte
nur Daten sichern, keine ausführbaren Dateien,
denn diese sind fortan als nicht mehr vertrauenswürdig
einzustufen.
-
Erstellen Sie ggf. zum Zwecke
der Beweissicherung (z.B. für den Fall,
dass Ihr PC über aktive Schädlinge bereits
strafrechtlich missbraucht wurde oder Dialer
eine teure Einwahl verursacht haben)
gesondert ein Image der
Systempartition - ebenfalls mittels der
Notfall-CD, versteht sich.
-
Partitionieren und formatieren
Sie die Festplatte (empfohlen: NTFS als
Dateisystem bei Windows 2000 / XP).
-
Installieren Sie anschliessend
das Betriebssystem vom Originalmedium (Windows
XP-CD).
-
Spielen Sie alle benötigten
Treiber ein, achten Sie jedoch darauf, dass
auch diese nur von Originalmedien aus installiert
werden.
-
Installieren Sie das jeweils
aktuellste Service-Pack (für Windows XP
z.B. das
Service-Pack 2) ink. aktuellster Patches.
Besorgen Sie sich diese z.B. über einen
anderen, sauberen PC, oder laden Sie sie
über die Notfall-CD (Knoppix, Kanotix).
-
Konfigurieren Sie die
Dienste
sinnvoll. Beachten Sie auch die weitergehenden
Hinweise auf der verlinkten Webseite.
-
Starten Sie das System neu
und wählen sich erst anschliessend das erste
Mal wieder ins Internet ein.
-
Ändern Sie von dem nun sauberen
System alle Zugangsdaten und Passwörter,
denn diese sind seit der Infektion mit den
Schädlingen auch anderen und nicht mehr
nur Ihnen bekannt.
-
Spielen Sie benötigte
Daten (also keine ausführbaren
Dateien, keine Programme) aus Ihrem Backup
ein.
Hinweis
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und OpenSource-Software haben das Recht, die jeweilige
Lizenz jederzeit zu ändern. Deshalb sind alle Angaben,
auch die zur jeweiligen Lizenz, natürlich ohne Gewähr.
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