System nach Infektion neu aufsetzen
"Warum soll ich mein System
nach einer Infektion (z.B. einer Infektion mit
einem Backdoor) neu aufsetzen?"
Ein Backdoor öffnet in Richtung Internet eine
"Hintertür", über diese dann ein fremder User
auf das System zugreifen kann, solange man im
Internet ist.
Sie müssen sich das wie eine Fernsteuerung oder
Fernbedienung beim Fernseher vorstellen. Dazu
braucht es zwei Komponenten:
1.) Die Fernbedienung an sich.
2.) Den Empfänger für die Signale der Fernbedienung
im Fernseher.
Um es weiter zu veranschaulichen: Der Empfänger
im Fernseher ist der Backdoor auf Ihrem System.
Mit dem Unterschied, dass der Empfänger im Fernseher
ja von vornherein eingebaut ist, weil er einem
vordefinierten Sinn und Zweck dient.
Beim PC ist es jedoch nicht so. Es wäre ja schlimm,
wenn jeder PC standardmässig fernsteuerbar wäre,
nachdem man ihn mit dem Internet verbunden hat.
Denn es befinden sich vielleicht wichtige, aber
auch persönliche, ggf. intime Daten (Briefe,
etc.) auf dem System und man möchte ja nicht,
dass all diese Daten für unbekannte Leute zugänglich
sind. Zudem ist man als Teilnehmer des Internets
auch Teil dieses grossen Netzwerkes und trägt
somit eine Verantwortung gegenüber den anderen
Teilnehmern. Verantwortung in der Hinsicht,
als dass man Vorsorge trägt, dass vom eigenen
PC keine Gefahren für andere ausgehen.
Auf einem PC kann man aber Programme installieren.
Grafikprogramme zum Betrachten von Grafiken
bzw. Fotos, Mailprogramme zum Versenden und
Empfangen von Mails, Browser zum Surfen im Internet,
und so weiter. Man kann also mit allem Möglichen
"nachrüsten". Man kann nachträglich das installieren,
was man zum Arbeiten braucht. Und da Schädlinge
(Viren, Würmer, Trojaner, Backdoors, etc.) auch
nichts anderes als Programme sind, kann man
den PC auch damit "erweitern" bzw. "nachrüsten",
man kann also auch die Fernsteuerbarkeit "hinzufügen",
wenngleich das ja eigentlich nicht erwünscht
geschieht.
Immer mehr Idividuen mit krimineller Energie
versuchen, auf allen möglichen Wegen solche
Fernsteuerungsprogramme (Backdoors) auf PC's
von normalen Heimanwendern zu installieren bzw.
diese Nutzer dazu zu bringen, dass sie diese
Schadprogramme sogar selbst installieren.
Die Bösewichte nutzen also zwei Wege:
1.) Sie nutzen Schwachstellen in Programmen
aus, z.B. im Betriebssystem (Windows, Linux,
etc.), im Browser oder im Mailprogramm, ergo
Programme, die in Kontakt mit dem Internet stehen.
Eine Schwachstelle in einem Programm wäre z.B.
verlgeichbar mit einer von aussen aushebelbaren
Tür in Ihrem Haus, weil beim Einbau ein konstruktionsbedinger
Fehler nicht bedacht wurde.
2.) Sie versuchen, Sie, den Nutzer, zu täuschen.
Sie geben Ihnen einen rotbackigen Apfel in die
Hand, verraten Ihnen jedoch nicht, dass sich
in diesem ein Wurm befindet. Sie versuchen Ihnen
etwas für Sie Schädliches als etwas für Sie
Nützliches zu "verkaufen", damit Sie es auf
Ihrem System eigenhändig installieren. Sie versuchen,
die Unwissenheit des Normalnutzers für die eigenen
Zwecke auszunutzen.
Der Backdoor.Prorat beispielsweise ist so ein
Schädling, der typischerweise auf dem zweiten
Wege installiert wird. So ein Backdoor verschickt
sich auch nicht "von selbst", wie es z.B. Mail-
oder Netzwerkwürmer machen. In der Regel wird
er von einem anderen Nutzer verschickt oder
auch über eine Dateitauschbörse als etwas Lohnenswertes
"angeboten" (z.B. als Musik, eine Software,
etc.).
Sobald der ahnungslose Nutzer diesen Schädling
dann installiert, wird sein PC für den anderen
fernsteuerbar. Er kann nicht nur alle Daten
auslesen und verändern, er kann ebenso weitere
Programme, weitere Schädlinge, Riskware, also
potentiell gefährliche Software, Keylogger zum
Mitschneiden Ihrer Tastatureingaben (z.B. Passwörter,
Logindaten, TAN's, PIN's,...) installieren,
er kann den unter seine Kontrolle gebrachten
PC für seine Zwecke nutzen (z.B. Spamversand
über Ihren PC an andere User im Internet). So
bleibt er anonym, und es sieht zunächst so aus,
als wären Sie für all diese Aktionen verantwortlich.
Aufgrund dieses Vollzugriffes via Fernsteuerung
gibt es lediglich eine sinnvolle Empfehlung:
Festplatte formatieren, System neu aufsetzen.
Denn wie ich bereits erwähnte, sind Schädlinge
ja prinzipiell auch nur Computerprogramme (allerdings
mit schädlichen Absichten). Das heisst, es können
auch Systemdateien verändert / manipuliert werden,
etc. Sie können, sobald so ein Schädling aktiv
wurde, nicht mehr feststellen, welche Veränderungen
im System vorgenommen wurden - es befindet sich
nicht mehr unter Ihrer Kontrolle.
Daraus ergeben sich also folgende Konsequenzen:
1.) Kompromittierte Systeme (so nennt man Systeme,
die durch aktive Schädlinge nicht mehr vertrauenswüdig
sind) müssen neu aufgesetzt werden (vorhergehendes
Formatieren eingeschlossen).
2.) Der einzig sinnvolle Schutz ist Vorbeugung!
Ansonsten wäre man laufend mit Neuaufsetzen
beschäftigt - und das kann ja nicht Sinn der
PC-Nutzung sein. Vorbeugen heisst, mit
bestimmten Massnahmen verhindern, dass Schädlinge
überhaupt aktiv werden können.
Wenn Sie Ihr System neu aufsetzen, bedenken
Sie dabei bitte unbedingt, dass Sie damit nicht
gleich ins Internet gehen. Auch nicht wenige
Sekunden! Es muss erst abgesichert
werden. Wie Sie das für Ihr Betriebssystem jeweils
umsetzen, lesen Sie bitte im Bereich "System
schützen".
Und allgemein noch als Tipp: Misstrauen Sie
grundsätzlich
ausführbaren Dateien, die Sie auf dem Mailwege,
via Messenger (ICQ, MSN, etc.), von dubiosen
Webseiten, etc. angeboten bekommen. Nicht selten
handelt es sich dabei um Schädlinge. Wenn Sie
sich nicht sicher sind, fragen Sie lieber
vorher nach, z.B. in Foren
wie
diesem hier, oder mailen Sie verdächtige
Dateien an
virus@sicher-ins-netz.info. Das hilft nicht
nur, mit der Zeit dazuzulernen und selbst sicher
abwägen zu können, es beugt auch vor, um nicht
am Ende womöglich wieder viel Zeit und Mühe
aufwenden zu müssen, wenn das System neu aufzusetzen
ist.
Übrigens: regelmässige Backups, also Sicherungen
wichtiger Daten, sollten ebenfalls angefertigt
werden. Denn es müssen ja nicht immer Viren
& Co sein, die Schaden herbeiführen, auch eine
Festplatte kann mal einen Defekt aufweisen,
und alle Daten sind verloren.
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