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Wer immer in die Fußstapfen anderer tritt hinterlässt keine Eindrücke.
-- Reinhard K. Springer
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Verfasst von: Afghan-Info Team ::: am Donnerstag, 19. Juni 2008, 10:45 Uhr ::: 186 Aufrufe
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Speckschwanzschaf mit Linsen und Blumenkohl – was bei Europäern skeptisches Magengrummeln hervorruft, weckt bei Nicole Birtsch das Fernweh. Heute wird es endlich gestillt: Die 36-jährige Solingerin steigt ins Flugzeug nach Afghanistan, um dort zwei Jahre zu verbringen. Entsandt vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED), arbeitet Birtsch als „Friedensfachkraft“ an der Universität und in der DED-Niederlassung in Kabul. Ein Einsatzort, den sie als „Glücksfall“ bezeichnet. „Afghanistan ist im Moment das Schwerpunktland für internationale Friedensarbeit. Ich freue mich, wenn ich meinen Anteil leisten kann, dass es den Menschen besser geht“, sagt die zierliche blonde Frau. Außerdem fasziniere sie das Land. In den Medien lese man viel über das militärische Gesicht von Afghanistan. „Über das Leben der Menschen, die Sitten, die Kultur, wissen wir wenig. Darauf bin ich gespannt.“ In Kabul ist ihre Aufgabe, das Fach Friedensstudien an der Universität einzuführen, einen Lehrplan zu entwickeln.
In einem Vorbereitungskurs des DED konnte Birtsch schon Einblicke ins tägliche Leben der Afghanen bekommen und auch die Landessprache Dari lernen. „Die Einheimischen essen viel Reis, Gemüse und Hammelfleisch. Speckschwanzschaf gilt als Delikatesse.“
Einige Gerichte hat sie schon vorgekocht. „Schmeckt gar nicht schlecht.“ Die Not in Afghanistan hat allerdings so zugenommen, dass viele Menschen froh sind, wenn sie ihren Hunger wenigstens mit Brot stillen können.
Nicole Birtsch hat auch Ungewissheit und Respekt vor der brenzligen Sicherheitslage im Marschgepäck. „Immer, wenn ich in der Zeitung etwas über Anschläge bei Kabul lese, zucke ich innerlich zusammen.“ Sie wisse aber, dass alles Menschenmögliche für ihre Sicherheit getan werde. Ein Fahrdienst bringt sie zur Arbeit, zwei Wächter bewachen ihr Haus. Per Telefon und Internet wird sie regelmäßig Kontakt nach Solingen halten – selbst bei Stromausfall. „Ich habe mir einen Generator besorgt.“
Mit im Koffer ist neben luftiger Kleidung für den Sommer und dicker Jacke für den klirrend kalten Winter auch ein Kopftuch. „An der Uni brauche ich es zwar nicht“, sagt Nicole Birtsch, „aber auf der Straße werde ich es wohl tragen – schon aus Respekt vor der einheimischen Kultur.“
Ein persönliches Steckenpferd erwartet die junge Frau bereits: ihr Trampolin. „Damit kann ich Sport machen, wann immer ich will“, erläutert die 36-Jährige. Auch im Ausnahmefall, wenn sie tagelang nicht das Haus verlassen dürfe. „Sollte die Situation eskalieren, werde ich sofort ausgeflogen.“
Nicole Birtsch nimmt auch persönliche Sachen mit: eine Wärmflasche, Miss-Marple-Filme auf DVD („Die machen einfach gute Laune“), die Lieblingssorte Espressopulver – und die Erdbeermarmelade von Mama: „Ich habe noch nirgendwo eine bessere gefunden!“
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